16.03.2019

Da die Tonqualität unter Sturm und Hagel gelitten hat, hier zunächst der Redetext auf der FridaysForFuture-Demonstration am 15.03.2019 in Oldenburg (ca. 3.000 Teilnehmer) und am Ende der Link zum Video:

“Toll wieder heute mit dabei zu sein! Das macht einen ja fast sprachlos: Demos in 123 Ländern, in über 1700 Städten auf allen Kontinenten, sogar auf der Antarktis. Ja, auch Wissenschaftler der Neumaier-Station sind heute bei uns dabei. Aber dürfen die das denn überhaupt? Weil, die müssen ja forschen und lernen.

Auch der längste Fluss der Welt fängt mit einem ersten Wassertropfen an. Und der erste Wassertropfen von FridaysForFuture war Greta. Und was ist daraus geworden? Ein unheimlich breiter Strom: Hunderttausende Jugendliche sind heute auf der Straße oder werden noch auf der Straße sein. Vielleicht sind es auch Millionen weltweit. Und es sind auch die Eltern und Großeltern dabei und es sind auch die über 23.000 Wissenschaftler, die an der Seite von FridaysForFuture stehen.! Das ist das, was wir auch brauchen: Gemeinschaft und Gemeinsamkeit!

Das politisch Verantwortliche nicht der richtige Gesprächspartner für Euch sind, dass habt Ihr ja schon mehrfach gemerkt. Wie soll auch ein System, eine Logik, die die Probleme geschaffen hat, genau diese Probleme lösen? Das kann ja nicht funktionieren! Und wenn Parteien von Zuwendungen aus der Wirtschaft abhängig sind – na ja, für wen arbeiten die dann wohl? Ich weiß nicht, wer von Euch gestern den KiKa-Fernsehkanal gesehen hat. Ich habe ihn angeschaut und unsere Umweltministerin Svenja Schulze gehört, wie sie gesagt hat: Also wir können nicht von heute auf morgen umstellen. Da habe ich natürlich nur den Kopf geschüttelt. Denn seit 20 Jahren wird den politisch Verantwortlichen gesagt, dass es so nicht weitergehen kann. Und es geht auch nicht darum, „von heute auf morgen“, wir haben ungefähr zehn Jahre Zeit. Es geht darum, dass wir heute, dass wir jetzt etwas tun, dass wir jetzt damit anfangen! Und das hat sie immer noch nicht verstanden?

Wenn unser Wirtschaftsminister Altmaier sagt: „Klimaschutz wird nur dann funktionieren, wenn unser Wohlstand dadurch nicht gefährdet wird.“ – dann stellt man sich natürlich die Frage: Was ist denn unser „Wohlstand“? Also ich freue mich über alles, was ich nicht brauche. Und dass ich das Geld, dass ich dadurch einspare, in nachhaltige Projekte investieren, spenden kann. Ich fühle mich wohl, wenn Kinder nicht für Produkte arbeiten müssen, sondern zur Schule gehen können! Ich fühle mich auch wohl, wenn derjenige, der Produkte herstellt, einen fairen Lohn bekommt, und damit ein gutes Leben sich sichern kann. So also Wohlstand ist für mich, wenn es dem anderen auch gut geht und die Umwelt nicht leidet – und ich denke, Ihr denkt genauso! Und natürlich ist der Klimaschutz ein ganz wichtiger Beitrag zu unserem Wohlstand!

In vielen Bereichen müssen wir umdenken! Und ein Bereich ist natürlich der Gütertransport und die Mobilität. Der Transportwahnsinn muss endlich ein Ende haben! Und ich will auch keinen Joghurt aus dem Allgäu auf dem Frühstückstisch haben und zu Weihnachten möchte ich keine Erdbeeren aus Marokko essen, sondern einen Bratapfel! Und der Bratapfel kommt bitte nicht aus Neuseeland, sondern aus den Lagerhäusern im Alten Land! Und jetzt soll auch noch die Elbe erneut ausgebaggert werden, damit noch größere Containerschiffe an unserem Tiefseehafen in Wilhelmshaven vorbeifahren! Dort könnten sie schon heute entladen werden können. Aber nein sie sollen nach Hamburg fahren können, damit die Hamburger Hafenwirtschaft dort den Umsatz machen kann! Was ist das für ein volkswirtschaftlicher Unsinn! Natürlich müssen auch in Zukunft weiter Güter transportieren, das ist klar – aber nicht so viele! Und wir wollen auch weiter mobil bleiben. Das aber bitte umwelt- und ressourcenschonend! Und die Konzepte, dass ist ja auch schon angesprochen worden, sind ja auch alle da: Ob das nun Elektromobilität ist, elektrische Antriebe für PKWs, für Lieferfahrzeuge, auch für lange Strecken. Ob das Wasserstoff ist, der mit Strom aus erneuerbaren Energien hergestellt wird und in Bahnen eingesetzt wird, auf Strecken, die man nicht sinnvoll elektrifizieren kann. Oder ob das auch Biokraftstoffe sind, die für Flugzeuge auf langen Strecken oder im Seeverkehr eingesetzt werden können. Das gibt es ja alles schon und natürlich brauchen wir einen besseren ÖPNV, wir müssen Fahrzeuge teilen und das wir Städte umgestalten können, das zeigt uns zum Beispiel die dänische Hauptstadt Kopenhagen. Wie es nämlich macht, eine Großstadt in eine nachhaltige Stadt umzuwandeln!

Das ist alles da, alles bekannt, aber es muss nur umgesetzt werden und spart uns volkswirtschaftlich unheimlich viel Geld! Aber dass das auch passiert, dafür braucht es auch Euch! Und dafür braucht es auch FridaysForFuture!

Ja – letzter Punkt – kann die FridaysForFuture denn Erfolg haben? Ja, natürlich!

Ein Konzept, eine Idee, deren Zeit gekommen ist, die kann man nicht mehr verhindern. Und die Zeit für eine nachhaltigen Lebensweise ist nun wirklich gekommen, denn wir haben keine Zeit mehr, das Notwendige nicht zu tun! Harald Welzer hat gesagt: “Veränderung kann man nicht delegieren!“ Ich schildere einmal eine Szene in dem Supermarkt: Eine Mutter geht mit ihrem Sohn einkaufen, greift in die Tiefkühltruhe nach einem Brathähnchen. Und der Sohn sagt: „Du kannst das jetzt kaufen. Aber ich esse das nicht!“ Und als der Chemie- und Informatikkurs von Lina nach Kroatien mit dem Flugzeug wollte, hat sie gesagt: nein, das mache ich nicht mit! Und zum Schluss ist der Kurs mit der Bahn nach Kroatien gefahren!

Denn genau darum geht es: Die Diskussion anzustoßen und andere zu überzeugen! Und dazu noch ein kleines Gedankenexperiment: Wenn ich drei Leute anspreche und überzeuge, anders, nachhaltig zu leben und diese wieder dann drei Leute überzeugen, dann müssen wir genau 15mal warten, bis dass passiert ist. Und wer jetzt denkt, zum Schluss findet man … Dann reicht das und wir müssen nur abwarten. Denn das muss nur 17mal passieren. Und wer jetzt denkt, zum Schluss findet man ja gar keine Leute mehr, die man ansprechen kann: Dann sagt die Mathematik auch ganz einfach: Das stimmt nicht! Denn auch in der letzten Stufe sind es noch 3 von 4, die noch nicht mit dabei sind.

Und das ist genau die Kraft dieser Bewegung: Weil jeder von uns hat in dieser Bewegung die Macht etwas zu ändern und auch zu bewegen. Deswegen können wir es endlich selbst in die Hand nehmen. Und das ist auch die Kraft, die in FridaysForFuture steckt. Deswegen ist FridaysForFuture so stark und deswegen wird FridaysForFuture auch das schaffen, was wir alle wollen und brauchen!”

Der Link zum Video: Rede weltweiter Klimastreik 15.03.2019

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